Montag, 25.11., Film und Diskussion: „Kolumbien – Der lange Weg zum Frieden“ von Uli Stelzner

Die Gruppe 1008 von Amnesty Bremen zeigt in Anwesenheit des Regisseurs Uli Stelzner den Film am Montag, 25. November 18.45 – 20.45 Uhr im Cinema Ostertor. Der Film selbst ist 55 Minuten lang. Danach gibt es noch Zeit mit Uli Stelzner zu diskutieren.

Wem gehört der Frieden in Kolumbien? In dem südamerikanischen Land prallt die Wirtschaftselite auf Menschen in absoluter Armut. Auch mehr als zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens 2016 gibt es keine klare Antwort. Auf der einen Seite politische Eliten, die den Status quo aufrechterhalten wollen, auf der anderen Seite Aktivisten, die soziale Reformen anstreben. Die Dokumentation von Uli Stelzner erforscht den dramatischen Konflikt in einem Staat, der bis heute von Kriegsfolgen, sozialer Ungleichheit und Ungewissheit gezeichnet ist.

Bogotá, 2016: das Jahr, das in die kolumbianischen Geschichtsbücher eingehen wird. Nach einem rund 50 Jahre währenden Bürgerkrieg sind die Kampfparolen scheinbar verhallt und eine politische Lösung gefunden: Die revolutionären Streitkräfte der marxistischen Farc-Guerilla und die Regierung beschließen, ein historisches Friedensabkommen zu unterzeichnen – vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Nicht nur die bewaffnete Auseinandersetzung, sondern auch die soziale Ungleichheit hätte damit beendet werden können.
Ein landesweites Referendum Anfang Oktober 2016 sollte der Regierung die demokratische Legitimation dafür erteilen – die Zustimmung galt als sicher. Doch dann geschieht das Unglaubliche: Die kolumbianische Bevölkerung lehnt das Abkommen mit den Farc-Rebellen ab – mit einer hauchdünnen Mehrheit. Ein Schock für das südamerikanische Land, in dessen Bürgerkrieg mindestens 220.000 Menschen das Leben verloren haben und sechs Millionen als Vertriebene zum Opfer wurden.
Selbst der Friedensnobelpreis, den der amtierende Präsident Juan Manuel Santos nur einige Tage später verliehen bekam, kann daran nichts ändern. Nach landesweiten Demonstrationen von Studierenden wird schließlich ein neuer, überarbeiteter Friedensvertrag im November 2016 unterzeichnet. Der Filmemacher Uli Stelzner hat die dramatischen Ereignisse im Jahr 2016 und den schwierigen Prozess der Umsetzung des Abkommens begleitet.
Im Juni 2018 gewann der rechtskonservative Kandidat Iván Duque die Präsidentschaftswahlen gegen den Kandidaten der linken Bewegung Gustavo Petro, der sich die konsequente Umsetzung des Friedensabkommens auf die Fahne geschrieben hatte. Duque hingegen steht für eine Änderung in wichtigen Punkten und könnte so die Ex-Rebellen der Farc zurück in den Untergrund treiben. Auch beim Prozess der Nachkriegsjustiz gibt es viele Probleme. Nur eine kleine Gruppe von Soldaten und Offizieren wurde bisher wegen Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt.
In Kolumbien herrscht Frieden, aber das Land kommt nicht zur Ruhe. Eine Bestandsaufnahme.

 

18. November 2019